Wie Gott will

Aktuelles

Liebe Leser und Leserinnen unserer Homepage.

Provinzfest Ansprache Propst Remfert 04.07.2021 Münster

Schon sind drei Wochen vergangen, eigentlich wollte ich die Predigt aktuell vorstellen. Aber die Thematik ist für uns dieses ganze Jahr aktuell: Vor 450 Jahren hat Regina Protmann als 19-Jährige die Kongregation begonnen. Daran wollen wir uns erinnern. Seit der Seligsprechung von Mutter Regina im Jahre 1999 feiern wir in unserer Provinz jedes Jahr das sogenannte Provinzfest. Eigentlich immer mit möglichst vielen Schwestern, Freunden und den Mitgliedern der Fraternität. Corona bedingt musste es nun schon zweimal ohne viele Gäste stattfinden. Die Predigt passt sehr gut, wie ich denke zu diesem Fest.

 

Kann man sie nicht verstehen, die Menschen in Nazareth, dass sie Jesus, ihn, der doch einer von ihnen war, dass sie ihn ablehnten, ihm ungläubig begegneten?

Seine Weisheit in allen Ehren, - aber er ist und bleibt doch einer von uns. Und jetzt soll er der sein, auf den es ankommt? – „Sie nahmen Anstoß an ihm.“

Ist es vielleicht doch einfacher, an einen fernen Gott zu glauben, der uns nicht so nahe ist, als an einen Gott, der neben mir geht und steht, an dem ich mich täglich messen lassen muss – täglich – in meinem Alltag?

Wir meinen, wenn Gott unter uns ist, dann muss das doch Aufsehen erregen und außergewöhnlich sein. Doch dieses Denken müssen wir ablegen, wir müssen uns bekehren zu einem Gott hin, der seit Jesus Christus in Bethlehem, in Nazareth und am Kreuz neben uns ist. Seine Nähe und Liebe hat er uns sehr menschlich bezeugt!

Da sich Gottes Liebe mit der Menschlichkeit des Menschen verbunden hat, kann diese Liebe allerdings nicht nur ein Weg zu Gott hin sein, sondern auch zum Ärgernis an Gott werden.

Dieses Ärgernis hat die Kirche mit ihrem Herrn zu tragen. Sie trägt ja die Gestalt des Herrn – menschlich, in einfachen Zeichen ist sie da und in den Menschen, die oft sehr menschlich sind. Vielleicht ist das ja in diesen Tagen die größte Herausforderung für und als Kirche und in der Kirche: Das Anstößige mitzutragen in der Glaubensgewissheit, Christus trägt seine Kirche!

Christus stand schwach unter den Menschen. Seine Kirche steht schwach unter den Menschen. Paulus sagt: „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“ Die Psychologie sagt: Nichts kann verwandelt werden, was nicht angenommen ist. Zu seinen Schwächen stehen und sich wandeln lassen, - das ist keine unwürdige Unterwürfigkeit, - das ist eine „Selbstverwirklichung“, in der ich nur der sein möchte, der ich auch tatsächlich bin. Das setzt Energien frei, weil es den Menschen von Idealen befreit, die er noch nicht erreichen kann, mit denen er aber glänzen und sich verstellen kann. Befreit von solchen Zwängen wird der Mensch frei für seine eigenen Möglichkeiten.

Wie stark fühlte sich Mutter Regina wohl, als sie vor 450 Jahren ihr Apostolat begann? Nur wenige Frauen waren bei ihr, - und sie fing an „Wie Gott will“. Diese kleine Gemeinschaft war kein Konvent von Heldinnen, sie waren Menschen ihrer Zeit, unter den  

Lebensbedingungen ihrer Tage. „Wie Gott will“. Das war ein Anfang in Schwäche, in eine ungewisse Zukunft hinein.

„Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“

Als der Apostel Paulus dieses Wort schrieb, da wusste er sich allerdings ganz und gar von Christus, seinem Herrn getragen, er fühlte sich mit seinen Grenzen und Beschwerden ganz in Gott geborgen. So war es auch bei Regina Protmann, und viele in der Geschichte unserer Kirche haben aus dieser Gesinnung gelebt. „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“, dieses Wort ist kein psychologisches Bedenken der menschlichen Lebenssituation, der menschlichen Konstitution: Das ist ein Wort des Glaubens: Weil Gott mich trägt, deshalb kann ich sein wie ich bin, deshalb darf ich tun, was ich kann, - aber auch nicht mehr! Das ist also nicht Resignation, - einfach sich abfinden, das ist vielmehr Aufbruch, höchste Aktivität – in meinen Grenzen und mit meinen Möglichkeiten!

Es ist schon öfter gesagt worden: Als Papst Benedikt der XVI. Anfang 2013 von seinem Amt zurücktrat, begründete er seinen Schritt damit, er sei den Anforderungen, die dieser Dienst an ihn stelle, nicht mehr gewachsen. – Nie war er stärker!

„Menschensohn“ wird der Prophet Ezechiel von Gott angesprochen. So auch später Jesus. „Mensch“: so schwach und armselig wie ein Mensch nur sein kann. Jesus ist seinen Weg gegangen – schwach und armselig genug bis zum Kreuz. Bei Ezechiel, dem Gefangenen am Euphrat, leuchtet schon das Kreuz des Menschensohnes auf, und bei Millionen anderer, die in ihrer Schwäche sich haben für Gott in Dienst nehmen lassen, war es nicht anders. Jesus, der unseretwegen schwach wurde, hat nicht die Schwäche verherrlicht, sondern er hat sie mit uns geteilt, um uns Schwachen nahe zu sein, um uns zu erlösen.

Dieses Lebensmodell unseres Herrn hat die selige Regina für sich und ihre Schwestern übernommen. Sie waren stark mit der Schwäche des Herrn. Sie konnten mit allen menschlichen Begrenztheiten in ihren Schwächen bei den Schwachen sein: am Krankenbett, im Kindergarten, in der Hauswirtschaft u. a. 450 JAHRE HINDURCH IST DAS JETZT SCHON SO:

Gestern bei der Professerneuerung von Schwester M. Christine für drei weitere Jahre in der Gemeinschaft der Katharinenschwestern wurde gesagt: du brauchst nicht über deine Möglichkeiten zu leben, und dich deshalb auch nicht zu ängstigen, denn du bist nicht allein.

Gerade in unserer Schwäche ist der bei uns, der unseretwegen schwach wurde.

Viele fragen heute besorgt: Wird die Kirche bald nur noch eine Sekte sein, werden Ordensgemeinschaften bald der Vergangenheit angehören?

Jesus hat nie von einer Volkskirche gesprochen, sondern immer nur von der „kleinen Herde“. Bei großzügiger Zählung standen am Ende unter seinem Kreuz sechs Personen.

Groß – klein?

Schwach – stark?

Auf jeden Fall war Jesus in der kleinen Herde der Mittelpunkt. Das war die Stärke der Wenigen und Kleinen. Das wird auch in Zukunft die Kraft der Schwachen sein, dass unser Herr die Mitte ist.

Mutter Regina hat getan, was sie tun konnte: durch das Hören auf Gottes Wort, durch das Lesen der Bibel, durch die Feier der Eucharistie. Darin ist sie, die Schwache, ein Vorbild für uns, die Schwachen. Diese Spur hat sie gelegt. Und bis heute möchten die Katharinenschwestern in dieser Spur weitergehen!

„WIE GOTT WILL.“

Wir wollen auf den Spuren von Mutter Regina bleiben, so haben wir einige bedeutende und wichtige Situationen ihres Lebens und die daraus folgenden Spuren für die Kongregation durch Symbole sichtbar gemacht. So wollten wir uns erinnern. Es war für uns, die Schwestern, die am Fest teilgenommen haben, ein beeindruckender Tag. So möchte ich Ihnen zu der Predigt auch noch die wichtigsten Stationen aus dem Leben von Regina Protmann und den Weg der Kongregation hier vorstellen. Sicher kann man das alles in unserer Kongregationsgeschichte lesen, aber vielleicht ist dieser Weg auch eine Freude für Sie.

So wünsche ich uns allen eine gesegnete Woche. Mögen die Predigt und auch der Lebensweg von Regina uns allen Mut geben weiterzugehen. Lassen wir uns auf Gott ein, leben wir aus der Kraft, die ER uns täglich neu schenkt.

Sr. M. Christina CSC

Pfingsten 2021

Liebe Leserinnen und Leser unserer Homepage,

Pfingsten ist ein Fest, was begeistern und mitreißen kann. Heute ist viel Wind, in der Natur und auch in vielen Gesprächen… Lassen wir uns von Feuer und vom Wind, die Symbole für den Heiligen Geist sind, anstecken. Für unseren Alltag und für alles, was wir zu bewältigen haben, dürfen wir uns auf die Kraft des Heiligen Geistes verlassen. Im Brief an die Schwestern habe ich versucht, die Verbindung zu unserer Gründerin, zu Regina Protmann, zu ziehen.

 Pfingsten

Wind entfacht
Feuersglut
Herz entbrennt

Maria sagt JA
und sie empfing
vom Heiligen Geist…

Jesu Passion –
im Tod am Kreuz
haucht er den Geist aus…

An Ostern
haucht der Auferstandene
den Jüngern den Geist ein…

Seit Pfingsten
entfachen sie das Feuer des Geistes
damit das Herz vor Liebe brennt.

Liebe Schwestern,

seit Pfingsten entfachen sie das Feuer des Geistes, so heißt es am Ende des Textes…

Sie, das sind auch wir alle! Wir haben in der Taufe und bei der Firmung den Geist empfangen, den auch die Jünger empfangen haben, damit unser Herz vor Liebe brennt.

In der Lesung aus der Apostelgeschichte zum Montag in der Pfingstwoche heißt es: „Wir haben nicht einmal gehört, dass es einen heiligen Geist gibt.“  Wir alle sind auf den Namen Jesu getauft und dürfen aus seiner Kraft leben. Vertrauen wir darauf, dass dieser Geist in uns lebt und wirkt und jeden Tag mit uns geht.

Der folgende Text von Karl Rahner könnte uns alle bestärken, dass wir in der Gemeinschaft, mit den Mitmenschen ein Zeugnis sind, von der Liebe dessen, der uns geschenkt ist, an den wir glauben.

Ich glaube an den Heiligen Geist
 Ich glaube, dass er meine Vorurteile abbauen kann.
   Ich glaube, dass er meine Gewohnheiten ändern kann.
     Ich glaube, dass er meine Gleichgültigkeit überwinden kann.
       Ich glaube, dass er mir Fantasie zur Liebe geben kann.
         Ich glaube, dass er mir Warnung vor dem Bösen geben kann.
           Ich glaube, dass er mir Mut für das Gute geben kann.
             Ich glaube, dass er meine Traurigkeit besiegen kann.
               Ich glaube, dass er mir Liebe zu Gottes Wort geben kann.
                 Ich glaube, dass er mir Minderwertigkeitsgefühle nehmen kann.
                   Ich glaube, dass er mir Kraft in meinem Leiden geben kann.
                     Ich glaube, dass er mir Mitmenschen an die Seite geben kann.
                       Ich glaube, dass er mein Wesen durchdringen kann

Ich finde es sehr schön, dass der Text in der ICH-Form geschrieben ist. Ich, jede Schwester, ist gefragt, so wie beim Glaubensbekenntnis. Wir dürfen uns zu dem bekennen, der unser Wesen durchdringen will.

Der Text erinnert mich auch an Mutter Regina. Vor 450 Jahren hat sie mit der Liebe und dem Feuer des Heiligen Geistes ihren Weg begonnen. Ganz sicher war in dieser Zeit auch jede einzelne Zeile für sie wichtig und daraus ist ihre Lebenshaltung geworden. Sie hat, wie Maria, Ja gesagt und ist fruchtbar geworden. Sie hat das Werk begonnen und alle Schwestern mit ihr und nach ihr haben es fortgeführt und sind so „fruchtbar“ geworden aus der Kraft des Geistes.

Bei allen Vorhaben, den neuen Gründungen, dem Schreiben der ersten Regel, waren ganz sicher der Heilige Geist und die Fantasie seiner Liebe mit am Werk. Er hat ihr die „Mitschwestern“ zugeführt und zur Seite gestellt…

Aus der kurzen Biografie lesen und hören wir heraus, dass sie eine große Liebe zum Wort Gottes hatte und so jede Entscheidung aus der Frage „wie Gott will“ getroffen hat. So könnten wir für jeden Aspekt des obigen Gebetes eine Entsprechung bei ihr finden. Auch ihr Testament an uns ist ganz sicher im Hören auf den Heiligen Geist entstanden.

Danken wir Gott für das Vorbild Mutter Reginas und lassen wir uns vom Heiligen Geist durchdringen für all das, was im Heute von uns gefordert ist. Jede von uns wird dazu sicher noch eine besondere Aussage finden, die sie leben und weitergehen lässt.

In einem Text zu Pfingsten fand ich die Worte „Ja, Pfingsten macht Arbeit und braucht Zeit – aber ich habe auch gelernt: Pfingsten ist schön, begeisternd, belebend….!“

So wünsche ich uns allen, dass wir uns auf das Fest des Heiligen Geistes freuen, uns von seinem Feuer entflammen lassen, um Gottes Reich und das Werk Mutter Reginas zu gestalten.

So wünsche ich auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein gesegnetes Pfingstfest und die Kraft, den Alltag mit all seinen Schwierigkeiten aus diesem Geist zu leben.

Der Heilige Geist geht mit uns, jeden Weg durch das nun kommende Kirchenjahr. Stärken, ermuntern und trösten wir uns auf diesem Weg, damit wir ihn voll Hoffnung und Freude gehen können.

Mit herzlichen Grüßen,

Sr. M. Christina Clemens

Ordensjubiläum in Daun

Liebe Leserinnen und Leser unserer Homepage,

hier lesen Sie die Festpredigt zum 65. Ordensjubiläum von Sr. M. Cäcilia Rehaag. Seit vielen Jahren lebt sie im Seniorenhaus Regina Protmann in Daun.

Diese Predigt hat Pfarrer Hoffman speziell für Sr. M. Cäcilia gehalten. Sie ist ganz auf ihr Leben abgestimmt und doch könnten die Worte auch für viele andere Schwestern stehen.

Ich möchte Sie alle teilnehmen lassen, an dem was hinter Berufung steht und gleichzeitig für einen langen Weg und für ein Leben in der Nachfolge Christi.

 Einleitung

 Liebe Sr. M. Cäcilia, liebe Ordensschwestern hier im Konvent, liebe Provinzoberin Sr. Christina, lieber Pater Charles, liebe Schwestern und Brüder hier in der Kapelle und alle, die uns über die Haustechnik verbunden sind. Corona bedingt sind wir eine überschaubare Gemeinde

Wir feiern hl. Messe wie es Tag für die Tag in dieser Kapelle im Regina-Protmann-Haus geschieht. Und doch ist dies ein besonderer österlicher Tag, der dem Alltag Glanz verleiht. Ein Tag der Freude und des Dankes.

Dank gebührt zuallererst Gott, dem Gott, der Sie, liebe Sr. Cäcilia, berufen hat. – Dank für die Gnade der Berufung! Gott hat Sie berufen und all die Jahre begleitet.

Dank gilt ebenso Ihnen, dass Sie dem Ruf Gottes Gehör geschenkt haben, dass Sie dem Ruf gefolgt sind, dass Sie sich auf Gott eingelassen haben, dass Sie es gewagt haben, seinen Weg zu gehen. Ein Weg, von dem Sie vor 65 Jahren ganz sicher nicht wussten, wie er genau verlaufen würde. Mit dem Eintritt in eine Ordensgemeinschaft mag zwar manches klar geregelt sein, aber es steckt nicht weniger Dynamik darin als auch in jedem anderen Leben. Ein wesentlicher Unterschied aber besteht darin, dass es ein geistlicher Weg ist. Petrus drückt es einmal so aus: Wohin sollen wir gehen, du hast Worte des ewigen Lebens. So grüßen wir IHN in unserer Mitte: Evangelium: Joh 6, 60-69)

Predigt

Die Jünger waren schon eine Zeit lang mit Jesus unterwegs, sie haben das Leben an seiner Seite mit ihm geteilt. Aber es kommt dann immer auch wieder der Punkt, wo sich die Geister voneinander scheiden, wo es gilt, Farbe zu bekennen: Ist das wirklich mein Weg. Und so haben auch Jünger die Gemeinschaft mit Jesus aufgegeben, weil sie ihn und seinen Weg nicht verstanden haben oder nicht wollten. Von Adolf Kolping, dem Begründer des Gesellenvereins, des späteren Kolpingwerkes, ist ein Wort überliefert: Anfangen ist das Schwerste, treu sein das Beste.

 Der Anfang einer Berufung liegt zumeist im Elternhaus. Das Beispiel und das Glaubenszeugnis der Eltern tragen nicht selten dazu bei, den geistlichen Weg zu wählen. Ihre Eltern, liebe Sr. Cäcilia, waren gewiss fromme Leute, zu Hause wurde viel gebetet. An das Zuhause im Ermland zurückzudenken, ist für Sie nicht nur mit guten und frohen Erinnerungen verbunden. Die Eltern von Ihnen und den 4 älteren Geschwistern wurden durch die russischen Invasoren in ein Arbeitslager verschleppt. Sie sollten sie nie wieder sehen, es gab keinen Kontakt.

Ans Bleiben war auch für Sie, damals gerade 15 Jahre, nicht zu denken. Ihr Weg führte Sie aber nicht nach Osten, sondern nach Westen. Sie kamen nach Berlin, ins St. Gertrauden-Krankenhaus. Bevor ihre Ausbildung in der Krankenpflege dort beginnen konnte, führte Sie der Weg zu Verwandten in den Süden nicht weit der franz. Grenze, wo auch heute noch Angehörige anzutreffen sind.

Hatte eine Ihrer Schwestern bereits den Weg in die Ordensgemeinschaft gefunden, so hat es bei Ihnen noch etwas Zeit gebraucht. Über eine Freundin haben Sie schließlich den Schritt ins Kloster gewagt. Den größten Teil Ihres Ordenslebens haben Sie in Berlin verbracht. Als Stationsschwester und in der Stationsleitung, später als Oberin.

Seit 2007 sind Sie nun hier in Daun und haben im Regina-Protmann-Haus eine neue Bestimmung gefunden als Küsterin dieser Kapelle und als Schwester, die sich liebevoll und mit grünem Daumen um die Blumen kümmert. Und die mit Gebet und guten Worten für die Menschen hier im Haus da ist.

Wurde die Familie so jäh getrennt, so mag es ein Trost sein, dass zwei Ihrer Schwestern den letzten Jahren ihres Lebens bis zu ihrem Tod hier mit Ihnen in Daun verbringen konnten. Mittlerweile sind Sie trotz Ihres hohen Alters immer noch recht vital. Auch wenn der Rollator ein wichtiger Begleiter ist, so können Sie an allem teilnehmen, haben Zeit zum Lesen und – wenn man schon den Namen einer Patronin der Kirchenmusik trägt, auch weiterhin Freude am Singen. Wenn mal kein Organist zur Hand ist, dann sind Sie stimmsicher genug, den Gesang zu leiten.   

Wer in eine Ordensgemeinschaft eintritt, muss sich nicht sorgen, was er alles mitnehmen will. Da war nicht vieles einzupacken. Das meiste passte in einen Koffer. Wer in einer Ordensgemeinschaft leben will, bringt sich ein mit seiner ganzen Lebensgeschichte, die ihn geprägt hat und seinen Begabungen, die Sie fürderhin der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt haben.  

Gewiss war es in diesen Jahren manchmal auch mühevoll, kamen Zweifel auf, ob es der richtige Weg ist, gewiss gab es Durststrecken, vielleicht auch das eine oder an­dere, was schwer zu verkraften war. Gewiss gab es auch Müdigkeit und resignative Phasen. Sie brauchten Kraft und Ausdauer. Auch gab es Konflikte, Spannungen, Ärger. Es gibt Situationen, da ist einem mehr zum Gehen als zum Bleiben zumute. Ich höre wieder die Worte Jesu: Wollt auch ihr gehen?

Wohin sollen wir gehen – du Herr hast Worte des ewigen Lebens. Zu solchem Bekenntnis gehört freilich, dass ich den anderen kenne.

Petrus und der engere Jüngerkreis haben es persönlich erfahren: Jesus erschließt Lebensräume und Zusammenhänge, die wir uns nicht erschaffen können, er hat Worte ewigen Lebens, wo wir keine Worte mehr finden können. Getrennt von Jesus hat ihr Leben keinen Sinn. Als Ordens-Christin und auch als Kleriker geht es im Besonderen darum, dieses Kennen zu vertiefen. Dafür braucht es ein ganzes Leben.

Deshalb erschöpft sich auch alles noch so gute Tun nicht im Organisieren, Managen, Gestalten.

Deshalb sind Ordensleute vor allem Menschen des Gebetes.

Das Gebet ist eine Quelle, eine Quelle der Kraft und der Freude. Durch Gebet wird mehr bewegt als die Welt zu träumen wagt. Gebet ist aber nicht in erster Linie das Reden mit Gott, sondern das Hören. Der Glaube kommt nämlich vom Hören, im Gebet sich öffnen für die Gegenwart Gottes und die Bereitschaft entwickeln, in seine Worte einzutauchen.

Auch für eine ältere Ordensschwester steht deshalb nicht im Vordergrund die Frage: Was kann ich jetzt noch tun, sondern wer bin ich. Sie, Sr. Cäcilia, sagten mir in unserem Gespräch, dass Sie durch die geistliche Begleitung auf Madeleine Delbrêl aufmerksam geworden sind und sich auch weiter mit ihren Schriften vertraut gemacht habe. Die kath. Schriftstellerin und Mystikerin unserer Tage findet Gott im Alltag und den Wegen, die wir gehen, gegangen sind und gehen werden. Ihnen, liebe Sr. Cäcilia, die Sie auch in Ihrem Leben viele Wege gegangen sind und zurückgelegt haben an der Seite von Mitschwestern aber auch von Kranken, alten und pflegebedürftigen Menschen, möchte ich dieses Wort von Madeleine Delbrêl besonders an diesem Tag zusprechen:

„Unsere Füße schreiten auf einer Straße,
aber unser Herz schlägt in der ganzen Welt. (…)
Dann wird das Leben ein Fest.
Jede kleine Unternehmung ist ein gewaltiges Ereignis,
in dem uns das Paradies geschenkt wird,
in dem wir selbst das Paradies verschenken können.
Egal, was wir zu tun haben:
ob wir einen Besen oder eine Füllfeder halten.
Reden oder schweigen, Strümpfe stopfen oder einen Vortrag halten,

einen Kranken pflegen oder auf einer Schreibmaschine hämmern.

All das ist nur die Rinde einer alltäglichen Realität,

der Begegnung der Seele mit Gott in jeder erneuerten Minute,
die an Gnade zunimmt, die immer schöner wird für Gott.
Es läutet? Schnell, aufgetan! Gott ist es, der uns lieben kommt.
Eine Auskunft? … Bitte … Es ist Gott, der uns lieben kommt.
Zeit, sich an den Tisch zu setzen?
Gehen wir: es ist Gott, der uns lieben kommt.
Lassen wir ihn gewähren" ( aus M.D. : Die Liebe)

Sie werden jetzt gleich Ihre Gelübde erneuern und darin um die Gnade bitten, die Gott Ihnen im Zusammengehen mit Ihrem Ordensjubiläum schenken will. Sie schauen dabei in das Licht Ihrer Kerze, die Ihnen Seine Gegenwart zeigt. Gott selbst ist bei Ihnen und will das Werk, das er vor Zeiten in Ihnen begonnen hat, auch vollenden getreu den Worten eines uns bekannten Kirchenliedes: Sing, bet‘ und geh auf Gottes Wegen, verricht‘ das deine nur getreu und trau des Himmels reichen Segen, so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht auf Gott setzt, den verlässt er nicht.  Amen.

Liebe Leser/Innen,

vielleicht konnten Sie die Predigt mit den Ohren des Herzens hören. Auch wenn Sie nicht diese Berufung zum Ordensleben haben, so doch die, als Christ oder Christin IHREN Weg zu gehen.

Vieles wird Ihnen da nicht fremd sein. Der Text von Madeleine Delbrêl steht auch für Sie: „Es ist Gott der uns lieben kommt. Gehen wir: es ist Gott der uns lieben kommt. Lassen wir ihn gewähren“

Lassen Sie sich lieben auf jedem Weg, gerade bei der „Berufung“ die Sie haben.

Ich grüße Sie alle, Sr. M. Christina Clemens

 

 Fotos aus Haiti von der Aufnahme junger Frauen ins Postulat

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