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Regina Protmann - eine kurze Lebensbeschreibung

 

Die Regel, die Regina Protmann 1583 schrieb, wird im Generalat in Grotta-ferrata bei Rom in einer Schatulle verwahrt

Skulptur Regina Protmann in Münster

In Münster werden Reliquien der Seligen Regina Protmann aufbewahrt

 

Wer war Regina Protmann?

 

Regina Protmann wurde im Jahr 1552 in Braunsberg geboren. Braunsberg war eine alte Hansestadt und unterstand dem Fürstbischof von Ermland, einem eigenstaatlichen Gebiet inmitten des preußischen Ordenslandes des Deutschen Ritterordens. Es war die Zeit der Reformation und Gegenreformation, der geistigen und politischen Auseinandersetzungen um die rechte Lehre, aber auch um Macht und Unabhängigkeit. In dieser Zeit des Umbruchs wurde Regina Protmann geboren. Ihr Vater Peter Protmann gehörte zu den angesehensten Persönlichkeiten der Stadt, er war Kaufmann und besaß einen Speicher an der Passarge. Ihr Onkel war Ratsherr. Beide gehörten zur katholischen Richtung und hielten zum Bischof. Ihr Biograf charakterisiert die junge Regina so: „Im Anfang ihrer blühenden Jahren und Jugend war sie zur weltlichen Eytel- und Üppigkeit fast geneigt, hatte auch in ihrer Schöne des Leibs Kleider und anderen natürlichen Gaben ein Lust und Wolgefallen. Sie war also eine hübsche, lebenslustige junge Frau.

 

Regina erhielt eine gute Ausbildung. Ihre Gewandtheit im Auftreten und Reden schildert ihr Biograf: „Denn sie war dermaßen von Natur im Reden begabt, und ihre Art und Weise, sich zu benehmen vor hohen und Niedrigen, so wohlanständig, höflich, freundlich und bescheiden, und ihre Rede so verständig und kräftig, daß sie alle für sich gewann. Auch im Briefschreiben besaß sie eine gewisse Gewandtheit; ihre Hand war so fest, daß sie auch an hohe Personen, sowohl Weltliche als Geistliche, Prälaten, Bischöfe, Freiherren und Grafen schreiben konnte. Und was sie schrieb, war so verständig, wie wenn sie in der Kanzlei eingeschult worden wäre“.*

 

So war Regina einmal geprägt durch ihr Vaterhaus, in dem handwerkliche und kaufmännische Tugenden selbstverständlich waren, zum anderen führten die geistigen Strömungen sie zur inneren Entscheidungsfähigkeit und -festigkeit: klug, selbstbewußt und gescheid. Sie hatte offenen Augen für ihre Umgebung und sah die Ungleichheit zwischen arm und reich, zwischen Ansehen und Geringschätzung, zwischen Recht und Rechtlosigkeit. Sie spürte die Anfrage an sich und den Drang zu helfen. Doch auch die Liebe zu Gott war in ihrem Herzen, dem sie sich ganz anzuvertrauen wünschte.

 

Doch dies alles genügte nicht, um aus einem jungen und geistig wachen Mädchen eine Ordensfrau zu machen. Das Entscheidende, was noch hinzukommen mußte, beschreibt der erste Biograf mit den Worten: „Da aber der Glanz der Gnaden Gottes im Herzen Reginas angefangen zu leuchten und sie an der Welteitelkeit einen Abscheu und Unlust empfunden, ist sie mit dem Feuer der Liebe zu Gott ihrem Herrn entzündet worden...“ *

 

Kraft dieser Berufung verließ Regina im Jahr 1571 mit 19 Jahren ihr Elternhaus. Sie suchte Gott mit allen Fasern ihres Herzen, was deutlich wird in ihrem Gebet, das aufgeschrieben ist. „Mein Herr und Gott, verwunde mein Herz mit dem brennenden Pfeil deiner großen Liebe, daß ich ganz verbrenne und in dich zerfließe. Mein liebster Jesu, sei du allein in meinem Herzen und nimm mich in dein Herz auf, damit ich dir allein gefallen möge. Wann werde ich dich vollkommen lieben? Wann werde ich dich, meinen Bräutigam, mit meiner Seele umfangen und an deinem Herzen ruhen? Ach, daß ich doch die laute Welt verachten könnte aus lauter Liebe zu dir! Wenn doch meine Seele sich ganz mit dir, mein Herr und Gott, vereinigen könnte!“**

 

Darum zog sie sich zurück, suchte die Einsamkeit und Einfachheit. Von Anfang an wollte sie gemeinsam mit anderen für Gott leben und ihn suchen. Mit zwei Gefährtinnen zog sie in ein baufälliges Haus. Sie lebten dort in großer Armut, aber fröhlich und einträchtig. Andere junge Frauen schlossen sich an. Regina leitete und schrieb die Tagesordnung. Darin wird die Gleichheit aller besonders betont: „Sie legten alles wie auf eine Schulter. Alles war gemeinsam, nichts besonders.“* Aber es heißt auch: „Das alles so gehalten würde, gaben alle Schwestern gutwillig ihre Beistimmung.“* Man darf annehmen, dass die junge Gemeinschaft ihre geistliche Formung und ihren Rückhalt durch die 1564 nach Braunsberg gerufenen Jesuiten erfuhr, so dass sie in den Widerständen standhalten konnte, die durch den Skandal ihrer Handlungsweise in den Augen der Bürger sicher hervorgerufen wurden.  

        

Schon am Anfang heißt es, dass Regina nicht müßig saß, sondern ihre Hand zur Arbeit ausstreckte. Später wird sie in ihre Regel schreiben, dass die Schwestern von ihrer Hände Arbeit leben müssen.

 

Doch wer Gott sucht, findet ihn nicht nur im Gebet, sondern nach Jesu Wort in seinen Brüder und Schwestern. In ihnen will er geliebt und Freund sein. Dabei ging Regina einen anderen Weg als die bestehenden Orden, die in strenger Abgeschiedenheit lebten, oder als die Beghinen - Frauen, die jungfräulich und z. T. in Gemeinschaft lebten, für andere arbeiteten, aber keine Gelübde ablegten.

 

 

Reginas neuen Weg beschreibt der Biograf: „Nun hat die göttliche Weisheit durch diese Jungfrau Regina in diesem Bisthum etwas Neues und seiner Kirche Ersprießliches angeordnet, nämlich eine Gesellschaft von geistlichen Jungfrauen, welche neben den drei Gelübden der ewigen Keuschheit, der freiwilligen Armuth und des vollkommenen Gehorsams sich auch noch dazu verbunden haben, daß sie in Verkehr treten mit denjenigen, die außerhalb ihres Klosters wohnen. Sie wollen an ihren Nebenmenschen Werke der christlichen Barmherzigkeit üben, die Kranken pflegen, die Betrübten trösten und ihnen bei Tage und bei Nacht in christlicher Liebe beispringen.“* Weiter heißt es: „Auch ist es etwas Neues und fast Unerhörtes, aber etwas, was sehr weise und verständig von Regina erdacht ist. Sie ist nämlich darauf gekommen, in ihrem Conventshause eine Kinderschule anzulegen, in die Herzen der jungen Mädchen die Furcht Gottes und Tugend einzupflanzen, und sie auch im Lesen und Schreiben zu unterweisen.“* Ein drittes Anliegen von Mutter Regina war: „Auch diese löbliche Anordnung hat die gottselige Regina in dieser Genossenschaft getroffen, daß die Schwestern sämtlich gern bereit sind, die Gotteshäuser mit Meßgewändern, Alben, Altartüchern und Corporalien zu versehen, und was sonst zum Gottesdienst nothwendig ist.“*

 

Ihre Verbundenheit mit der Gemeinde zeigte Mutter Regina dadurch, daß sie ihre Gemeinschaft unter den Schutz der Pfarrpatronin, der heiligen Katharina von Alexandrien, stellte. Daher kommt der Name: Katharinenschwestern.

Aber nicht die äußere Tätigkeit war das Hauptanliegen von Regina Protmann, sondern zuerst und vor allem die Gottesliebe und die Ausbreitung seines Reiches. Das war die Triebfeder all ihres Tuns. Sie überließ sich ganz Gottes Führung, betete und sühnte. Dazu suchte sie auch ihre Mitschwestern anzuleiten und zu begeistern, wie wir in den Instruktionen lesen, die sie aufschrieb. Durch ihr Vorbild suchte sie, sie mitzureißen.

Ausführlich werden ihre Liebe zum Gebet und zur Eucharistie benannt: „Eine große Lust und Freude hatte sie am Gebet. Sie betete in Wahrheit ohne Unterlaß. Ihr Herz und ihr ganzes Gemüth zog sie zur Kirche. Einen ganz besondern Eifer und eine ganz besonders feurige Liebe hat sie zum hochwürdigsten und allerheiligsten Sakramente des Altars gezeigt“.* Sie suchte sich selbst in Zucht zu nehmen, die Nächstenliebe, Demut und Feindesliebe zu üben. So heißt es: „ ‚Siehe, Regina‘, sprach sie zu sich selbst, ‚du wirst eine Stifterin der Genossenschaft Sanct Katharinä genannt,...du verwaltest ein Amt, worin du über Andere strenge Rechenschaft zu geben haben wirst. Jetzt gilt es über dich selbst zu wachen.‘...Zu Gott nahm sie ihre Zuflucht und begehrte von ihm Weisheit.“* Und weiter heißt es: „Als ihr.. angezeigt wurde...‘der ist euch feindlich, er..verfolgt euch‘ gab sie zur Antwort ‚..Ich werde ihm alles Gute erzeigen, so ich vermag‘..* Über ihre Nächstenliebe schreibt ihr Biograf: „Die Liebe zu Gott und zum Nächsten hatte das Herz dieser gottseligen Jungfrau Regina ganz erfüllt...Und zwar umfaßte sie damit alle Stände ohne Ausnahme.“*

 

Ihre Fürbitte für alle Not wird so beschrieben: „Wenn sie von Kriegsrüstung hörte oder von einer Gefahr...ging ihr die Sache gleich zu Herzen. ... wie wenn sie mit ihren Mitschwestern allein die jedesmalige Noth und Gefahr des ganzen Reiches oder der ganzen Christenheit abwenden wollte.“ * Von allem wollte sie leer sein, um Werkzeug Gottes sein zu können. Dabei vergaß sie aber nicht, alle ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten einzusetzen. Der Biograf schreibt: „.. je größer die Noth war, desto eifriger empfahl sie ihre Anliegen dem Herrn. Dabei aber suchte sie auch alle erlaubten Mittel anzuwenden und alle gesetzlichen Wege einzuschlagen, um das, was sie sich vorgenommen hatte, zu Ende zu führen. Und zwar that sie dies mit solchem Eifer, als wenn sie es allein mit ihren eignen Kräften ausrichten wollte. Sie wußte wohl, daß der Mensch mit der empfangenen Gnade mitwirken müsse und nicht die Hände müßig in den Schooß legen dürfe“.* 

 

Darum wundert es nicht, daß Regina Protmann ihrer Gründung Bestand verleihen wollte und eine rechtliche Grundlage anstrebte. 12 Jahre nach dem Anfang des gemeinsamen Lebens schrieb sie eine Regel, die am 18.03.1583 vom damaligen Bischof Martin Cromer kirchlich bestätigt wurde. Darin ist die Krankenpflege außerhalb des Klosters ausdrücklich erwähnt und geregelt. Aus der Lebensbeschreibung von Regina Protmann wissen wir, daß sie auch im Hospital gearbeitet hat. Es heißt dort: „Wie oft hat sie den Armen im Hospital die Füße gewaschen...! Wie oft da den Kranken und Patienten beigestanden, die Wunden ihres Körpers verbunden und ihnen die Füße gewaschen! ... und hat sich nicht gescheut, ihre übel riechenden Wundtücher zu waschen. Wider das Fieber, Zahnweh, Geschwulst, Augenkrankheit und andere Gebrechen und Schäden des Leibes bereitete sie selbst Arzneien, um sie in Zeiten der Noth Jedermann mitzutheilen. Wenn sie hörte, daß Jemand in der Stadt krank war, hat sie, ...alsbald eine gute Suppe bereitet, schmackhafte Speisen gekocht oder gebraten und den Kranken, wenn sie elend und arm waren zugeschickt, auch sonst, was nothwendig war, besorgt, selbst Geld gegeben“.*

Selbstkritisch betrachtete Regina Protmann ihr Tun. Es spricht für sich, daß sie nach einer Zeit der Erprobung daran ging, ihre Regel zu überarbeiten. Diese zweite Regel erhielt am 12. März 1602 auch die päpstliche Approbation, die einer tätigen, nicht in Klausur lebenden Gemeinschaft damit zum ersten Mal von der Kirche erteilt wurde.

In dieser zweiten Regel wird die Schultätigkeit ausdrücklich erwähnt und begründet. Die Biographie Mutter Reginas sagt: „Denn wenn man den Unterricht und die Erziehung der Jugend vernachlässigt, so wächst sie auf wie das knorrige Holz im Walde und bringt nachher der ganzen Christengemeinde großen Schaden und merkliches Unglück.“*

 

Regina Protmann starb am 18. Januar 1613 im 61. Lebensjahr und im 34. Jahr ihres Amtes. Ihr Testament lautet: „Es ist meine demütige und mütterliche Ermahnung an Euch , daß ihr allzeit vor Gott, dem Herrn, und vor Christo Jesu sowie vor allen Menschen...in Zucht und Ehrbarkeit, in Demut, Geduld, Gehorsam und christlicher Liebe treulich wandelt. Lernet in euch abtöten nicht allein die großen, sondern auch alle kleinen Begierlichkeiten, als da sind: unnützes Reden, argwöhnische Gedanken, Müßiggang und Leichtfertigkeit. Trachtet mit allem Fleiß danach, daß ihr euch untereinander herzlich liebet und mit jedermann Frieden haltet. So wird euch der gütige Gott in allem helfen und segnen.“**

Der Wahlspruch ihres Lebens lautete: "Wie Gott Will!"

 

Regina Protmann galt schon damals als herausragende Frau, denn sie wurde in der Jesuiten-Kirche beigesetzt und schon bald durch eine Biographie geehrt. Ihre Verehrung ist in der Geschichte durch die Jahrhunderte nachweisbar. Schwierige Zeiten in geschichtlicher, politischer, ökonomischer Hinsicht im Ermland machten in den drei bis vier Jahrhunderten ein Seligsprechungsverfahren unmöglich. Erst seit 1985 wurde die Seligsprechung Regina Protmanns mit Nachdruck gewünscht und erbetet. Der Prozess der Seligsprechung bei der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen beim Heiligen Stuhl konnte im Jahre 1998 erfolgreich abgeschlossen werden. Die feierliche Verkündigung mit der Erlaubnis der Verehrung von Regina Protmann als Selige geschah am 13.06.1999 in Warschau durch Papst Johannes Paul II. Dadurch wurde Regina Protmann als beispielhafte Frau vorgestellt, als eine Frau, die wach und aufmerksam auf Gott gehört hat und mit allem Eifer suchte, Gott so zu lieben, wie er geliebt werden will nach dem Beispiel seines Sohnes Jesu, in dessen Nachfolge sie sich stellte.

 

 

Wir heutigen Katharinenschwestern haben erlebt, auf was Generationen von Schwestern gewartet haben, und uns gefreut. Vielleicht können auch Sie Regina Protmann lieb gewinnen und sie um ihre Fürbitte anrufen. Sie hilft, wir haben es erfahren und von anderen gehört.

 

Am 18.01.2013 jährte sich der 400. Todestag von Regina Protmann, der Gründerin der Katharinenschwestern.

 

 


 

*   “Die Congregation der h. Jungfrau und Märyrin Katharina“ von Curatus Grunenberg,

      Braunsberg 1868.

      Diese Schrift enthält: „‘Das Leben der Gottseligen Jungfrawen Regin Brotmanns,   

      Stiffterinnen der Löblichen Gesellschaft Sanct Catharinen, Jungfrawen und Martyrinnen‘

      durch einen glaubwürdigen Priester beschrieben.“

**  aus der angegebenen Quelle in einer neueren Übersetzung

 

Schwester M. Ludgera Stolze 

Stand 05.08.2014

 

 

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